In die Stille kommen

Oder: Mein Weg zum Frieden in mir

Aaaaahhhh.. tut das gut.

Seit vielen Jahren habe ich zum ersten Mal wieder das Gefühl so richtig durchatmen zu können. Den Verstand abschalten, einfach nur da sein. Den Wind im Gesicht spüren, die Sonne die ihre wärmenden Strahlen auf mich wirft.

Mann habe ich das vermisst!

Diese Freude wurde mir damals vor 8 Jahren nur sehr kurz zuteil. Es ging zu der Zeit alles sehr schnell. Ende 2009, kurz vor Silvester, hatte ich mein Erwachen- Erlebnis.

Damals litt ich sehr unter meinen Kopfschmerzen, Konzentrationsproblemen, Energiemangel. Ich hatte einiges versucht, aber nichts hatte mir geholfen dabei, Linderung in meine Situation zu bringen. In den Jahren davor war es einfach nur die Hölle für mich gewesen. Nicht zu wissen, was all die Schmerzen sollen. Wie von Gott verlassen hatte ich mich gefühlt. Völlig auf mich allein gestellt, ohne Hilfe. Ein heftiges Dröhnen, als würde mir jemand permanent den Kopf von allen Seiten zusammen pressen. Ein dicker Nebel in meinem Kopf, schwer und so dicht, dass ich kaum einen klaren Gedanken fassen konnte.

In der Schule bekam ich fast gar nichts mit, viele Stunden zogen an mir vorüber. Ich musste mich total konzentrieren, total wachsam sein, vollkommen im Moment, kein Gedanke, um überhaupt auch nur irgendwas mitzubekommen. Den Rest musste ich dann zu Hause nachholen. Das ging immer erst nach einem Mittagsschläfchen. Dafür war ich meist aber zu aufgewühlt. Zu viele Gedanken, eine riesige innere Unruhe, die mich fortwährend begleitete, und die mich ebenfalls davon abhielt mich entspannt auf einen Text konzentrieren zu können. Es dauerte also immer gut 1-2 Stunden, in denen ich diesen Gefühlen erlag, meinen Gedanken nachhing, das Erlebte in meinem Kopf verdaute. Erst danach war es mir möglich, einen Text richtig zu lesen. Und selbst dabei musste ich meist jeden Satz 3-4 Mal hintereinander lesen, bis ich ihn begriff. Das ist unfassbar frustrierend.

Wenn man weiß, dass man eigentlich intelligent ist, und auch im Grunde mit allen Fächern gut klar kommt, aber es einfach daran hapert, dass man die Informationen nicht aufnehmen kann, das rüttelt einem schon sehr am Selbstvertrauen. Irgendwas.. das wusste ich.. war mit mir rein GAR nicht in Ordnung. Den anderen ging es offensichtlich nicht so. Also, was war es, das ich verbrochen habe, dass ich so vom Leben bestraft wurde??!

Karma, denkt man da.. ich muss irgendetwas Schlimmes getan habe. Aus dem Grund lässt mich Gott so leiden. Aber mein Gefühl sagte mir: Nein, ich bin kein schlechter Mensch. Ich sehe überall nur das Gute und weiß, dass ich ein liebevolles schönes Wesen bin. Aber warum geht es mir dann so schlecht?

Ganz viel Verzweiflung machte sich in meinem Leben breit. Ich musste kämpfen..kämpfen..kämpfen. Überlebenskampf.. um irgendwie auch nur ansatzweise funktionieren zu können. In der Schule herrschte nur Angst und Panik. Ich saß im Klassenraum, spürte in mir eine riesige Angst. Was ist.. wenn ich aufgerufen werde. Ich bekam ja nichts mit. Dann müsste ich was sagen.. Aber wenn man nicht klar denken kann, was sagt man dann? Merken sie, dass ich nicht folge, dann gehen sie davon aus, dass ich tagträume oder es mich nicht interessiert. Aber das stimmte doch nicht! Ich wollte all das wissen, ich wollte richtig klar sein, intelligente Antworten geben, mich beteiligen am Unterricht und gute Noten bekommen. Dass ich es nicht konnte.. machte mich fertig.

Meine Klasse war voller Chaoten. Es war sehr viel Unruhe und die Lehrer griffen hart durch. Mit dieser Klasse wurde man nur durch totale Unterdrückung fertig. Zumindest dachten das einige der Lehrer. Sie hackten auf den Schülern rum, gaben extra Hausaufgaben weil zu viel rumgeblödelt wurde, sie packten die Angstmaschinerie aus. Nur indem man Panik verbreitete konnte man eine solche Klasse in Zaum halten. Auf eine falsche Antwort gab es feindselige Bemerkungen. Die Schüler wurden systematisch runter gemacht. Auch ein interessantes Thema, mit dem sich unsere Welt noch befassen werden muss. Was wir da unseren Kindern antun. Was wir da geschehen lassen, und es nicht sehen wollen. Es ist schrecklich. Die reinste Folter. Und wir glauben das wäre gut.. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal 🙂

Das war also meine damalige Situation. Vom Leben alleine gelassen, nur Kampf, Selbstaufopferung. Denn ich konnte nicht oft machen, was mir Spaß bereitete. Überhaupt funktionieren zu können beanspruchte meine gesamte Zeit. Immer war ich am Denken: Wie kann ich mich aus dieser Situation befreien? Eine lange Zeit verbrachte ich jede Sekunde damit, mich mit dieser Frage zu befassen. Wenn der Fernseher lief, konnte ich nicht zuhören. Dieses starke Gefühl von: Ich halte das nicht mehr aus. Ich will mich endlich gut fühlen. Was kann ich tun, was kann ich tun, was nur?? Keine Ablenkung war möglich in dieser Zeit. Ich habe es einfach nicht ertragen so zu leben. Das war doch kein Leben. Ich vegetierte nur so vor mich her. Da war keine Freude in mir, kein Leben. Ich fühlte mich innerlich wie tot. Mein ganzes Körpersystem war lahm gelegt, alle Prozesse in meinem Körper liefen so langsam ab wie nur irgend möglich. Ich brauchte viel Ruhe damit die Verdauung gut funktionierte, ich brauchte viel Schlaf, um genug Energie für den Tag zu haben, ich brauchte immer sehr lange bis ich zur Entspannung finden konnte. Viele viele Gedanken. Warum diese Schmerzen? Wie kann ich mich befreien? Was kann ich machen damit es mir besser geht?

Totale Verzweiflung, als würde ich wie vor einem riesigen Abgrund stehen.. Eine riesengroße Panik. Angst vor der Schule. Angst vor dem nächsten Tag. Vor den Schrecklichkeiten die dort auf mich warten würden. Vor der Verantwortung, die ich übernehmen müsste, dafür, wieder die Hausaufgaben nicht geschafft zu haben, oder nur schludrig gemacht zu haben. Vor Tests, aufgerufen zu werden, vor schlechten Noten, vor der Panikmache der Lehrer, runter gemacht zu werden von ihnen vor der ganzen Klasse. Eine Verantwortung, die ich gar nicht tragen konnte. Denn ich hatte ja gewollt.. aber nun mal eben nicht gekonnt. Ich war ja gar nicht verantwortlich dafür, dass ich es nicht machen konnte. Ich konnte nichts dafür, dass es mir so schlecht ging. Oder doch?

Lange Zeit haderte ich mit mir selbst. Immer wieder wechselten meine Gedanken von tiefster Depression und Selbstmord hin zu Hoffnung und Glaube an das Gute. Bei all dem Schmerz und Leid dass ich in mir fühlte, und wenn ich nach draußen in die Welt schaute, war es da überhaupt möglich, Hoffnung zu haben? Wenn man so schlecht behandelt wurde von der Welt. Wenn sie einen nicht verstand, und auch nicht verstehen wollte. Wenn man ihr ins Gesicht schrie: Ich habe Schmerzen!!! Dann antwortete sie nur: Dein Problem.

Meine Hoffnung bestand in der Zeit zum größten Teil in meinen Freunden. Ich hatte fantastische Freunde, die zu mir hielten, mich liebten. Wir lachten viel zusammen. Hatten viel Spaß gemeinsam. Das war mein einziger Lichtblick an meinem pechschwarzen Himmel. Auch sie verstanden mich nicht, aber sie waren für mich da. Sie begleiteten mich Tag für Tag. Und auch wenn ich mit ihnen nicht so richtig über mein Leid sprechen konnte, denn ich hatte keine Worte dafür und wusste dass es niemand auch nur ansatzweise verstehen konnte, warum ich mich so schrecklich fühlte innendrin. So hatten sie doch Mitgefühl und lenkten mich obendrein noch ab von all dem Horror.

An dieser Stelle möchte ich euch also danken, ihr Lieben!

Ihr habt das Gute in mir gesehen. Und das hat mir viel mehr gegeben, bedeutet als euch vielleicht klar war.

Das war meine Situation damals. Ich versuchte viel, Arztbesuche, Osteopathie, Neurologe, MRT, Rohkost, Sport und Bewegung. Irgendwie half all das nicht. Tief in mir drinnen wusste ich auch, dass es keine normale Krankheit war, die ich hatte. Nein, davon hatte ich noch nie gelesen oder gehört. Wie konnte jemand überhaupt so überleben? Jeder würde sich umbringen, dachte ich mir. Es ist der reine Wahnsinn. So kann und will man nicht leben. Aber wie sich befreien?

Durch meine Rohkostzeit ging es mir ein wenig besser. Zumindest zeitweise. Da ich das Ganze aber ziemlich verbissen und verkopft angegangen war, nicht aus dem Herzen, folgte kurze Zeit später ein heftiger Unfall in dem ich mir den Kiefer mehrmals brach. Da ich nicht mehr Kauen konnte, war ich gezwungen wieder normale Kost zu mir zu nehmen. Suppen, Pudding etc. Damals hatte ich mich in meiner Rohkostzeit mit Verschwörungstheorien beschäftigt. Kam dann aber nach ein paar Monaten ziemlich schnell auf die spirituelle Schiene. Und dort fing ich dann an Antworten zu finden. Irgendwie wurde alles ein Stückchen leichter. Ich hatte noch immer Schmerzen, aber insgesamt fühlte ich mich etwas gefestiger. Der Unfall hatte mir so richtig die Augen geöffnet: So geht es nicht! Es ist der falsche Weg! Hör auf dich zu zwingen. Und folge statt dessen deinem Herzen. So ging meine Reise also fort. In kurzer Zeit entschied ich nach dem Abi Psychologie zu studieren. Da ich keinen so guten Schnitt hatte, blieb da nur Holland als Möglichkeit in Frage. Also gesagt, getan. Die Sache war dann sehr schnell beschlossen. Ich machte einen TOEFL Test, bewarb mich bei der Uni und fuhr nach Groningen um mir dort ein Zimmer zu suchen.

Mit dem Studium fing es dann auch schon bald an. Ich hatte nette Sozialkontakte, ging auf ein paar Parties, lernte interessante Leute kennen. Das Studium verfolgte ich mit Freude und Interesse. Die Konzentration war immer noch nicht so gegeben, aber ich hatte mittlerweile gelernt, wie ich ganz gut funktionieren konnte, trotz meiner Probleme. Mir gefiel die Stadt sehr gut, war gerne draußen am vielen Wasser. Es war eine ganz lustige Zeit. Auch wenn sie davon geprägt war, dass ich echte Freunde finden wollte zu denen ich eine tiefe Verbundenheit spürte. Denn das war leider nicht gegeben. Ich versuchte so einige Möglichkeiten um Kontakte zu knüpfen, vielleicht war ja der ein oder andere dabei. Doch tief gesehen hatte ich mich von ihnen nicht gefühlt. Da gab es dann nur diesen einen Mann wo sich das so anfühlte.. aber dazu vielleicht ein andermal.

So hatte ich gerade mal ein paar Monate studiert, war eigentlich ganz glücklich, aber dennoch war da ein großes Problem in meinem Leben: Die Schmerzen. Eines Tages, es war kurz nach Weihnachten 2009, da kam mir irgendwie die Erkenntnis: Du liebst dich nicht selbst.

Ich.. Ich kann mich selbst nicht lieben. Ich kann diese Schmerzen einfach nicht lieben. So viel ich auch mache.. Ich kann nicht akzeptieren, dass sie da sind.

Und aus dieser Erkenntnis heraus fing ich an nach dem Thema Selbstliebe im Internet zu recherchieren. Schnell fand ich einen Satsang Lehrer. Er erzählte, dass man Gefühle nur liebevoll umarmen brauche. Einfach annehmen. Im Moment ohne Wertung anschauen und fühlen. Hmm.. dachte ich mir.. so leicht ist das? Wieso hat mir das noch niemand gesagt? Direkt setzte ich das gerade Gelernte um. Augen schließen.. gucken was da ist. Und was war.. Wow.. Ein Aha- Erlebnis. So leicht!!! Plötzlich diese Stille, dieser Frieden in mir. Einfach nur ein wunderschönes Gefühl. Nichts zu brauchen. Nichts tun zu müssen. Einfach nur diese Liebe zu spüren. Alles ist schon da. Ich kann einfach ich selbst sein. Mich treiben lassen. Vom Leben geführt. Egal was im Außen passiert, welche schrecklichen Dinge, egal, was das in mir auslöst, ich werde in Frieden damit sein können.

So eine wunderschöne Erleuchtung. Nichts zu brauchen. Nur den Moment zu fühlen. Die Liebe Gottes in einem spüren. Die Liebe die er für uns alle hat. Eine bedingungslose zutiefst nährende Liebe. Und man braucht nichts anderes mehr im Außen, von anderen Menschen. Es ist alles schon da, in einem drinnen.

Wie herrlich war es, endlich an diese Informationen zu kommen. Warum nur schrie die ganze Welt nicht heraus, wie wichtig das für uns ist????

Warum lernte man das nicht in der Schule????

Ist es doch das Wichtigste, das heilsamste Wissen das unsere Welt jetzt braucht um endlich wieder ganz zu werden. Leute, fühlt eure Gefühle!!! Schaut euch doch mal um.. wie die Welt aussieht. Überall versuchen wir nur, Gefühle von Außen zu bekommen. Durch dieses Produkt, oder jene neue Anschaffung. Wir kaufen uns so viel Schrott. Billiges Zeug, billig produziert, und bezahlt mit dem Blut anderer. Und wozu das Ganze: Damit wir uns gut fühlen. Wir schauen Serien, lenken uns ab, dröhnen uns zu, mit Drogen oder auf Parties, unterdrücken unsere Gefühle durch Tabak, Alkohol.

Wir zerstören die Natur, damit wir darauf ein Haus bauen können, wir kleistern sie zu, indem wir Straßen bauen, Plätze, Städte.. Wir nehmen ihr die Luft zum Atmen, zum Sein, zum Leben. Und all das nur, weil wir glauben das wäre gut für uns. Wir fühlen uns damit gut. Wir haben das Gefühl, das Richtige zu tun. Weil wir es ja für uns tun, für unsere Familien, Freunde, Verwandten. Wir vernetzen uns damit. Wir schaffen Wohnraum. Aber wer will denn so wohnen?? Getrennt von der Natur. In dichten Städten wo kaum ein grüner Fleck zu finden ist. Ohne Tiere, Pflanzen.. nur Steine und Tod. Alles tot. Tote Materie. Kein Wunder, dass wir alle auch immer mehr tot geworden sind, innerlich. Nicht mehr lebendig. Nur noch Maschinen, die funktionieren. Eine leblose Hülle. Wollen wir das wirklich? Wollen wir das noch weiterhin???!

Kommt wieder zu euch zurück. Und ihr werdet Antworten finden, die ihr im Außen zu finden geglaubt habt. Ihr werdet den Frieden in euch finden, den ihr im Außen sucht. In euch ist schon alles, all das Glück, die Liebe, die ihr euch durch die ganze Zerstreuung um Außen erhofft. Lasst den unnötigen Konsum, besinnt euch auf Werte wie Freundschaft, Gemeinschaft, Zusammenhalt. Zusammen für eine größere Sache! Zusammen für den Weltfrieden!!!

Damit wir hier endlich wieder durchatmen können. Damit wir guten Gewissens sagen können: Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, dass es der Welt jetzt besser geht. Denn was könnte einem sonst Erfüllung geben? Kann man wirklich erfüllt sein mit dem Wissen, dass man untätig einfach nur zuschaut und den Dingen ihren Lauf lässt??

Ich für meinen Teil kann und will das nicht. Denn ich habe einen Willen. Und den kann ich nutzen um Gutes zu bewirken. Und das ist nicht Ego. Das ist einfach nur Liebe. Liebe für mich, für dich, für die ganze weite Welt.

 

<3 <3 <3

 

Und ein andermal erzähle ich dann, wie mir dieser neu gewonnene Frieden in nur kürzester Zeit wieder genommen wurde. Die letzten 8 Jahre lang. Und ich nur mit Leid und Schmerz zurück gelassen wurde. Völlig getrennt von Gott. Zumindest fühlte es sich so an. Ein Leben ohne Liebe, ohne Glückseligkeit, ohne Freude. Nur mit Schmerz, Leid, Horror. Fast so wie vorher, doch viel schlimmer, und irgendwie leichter. Merkwürdig.

Doch jetzt findet dieser Frieden wieder Einzug in mein Leben. Endlich kann ich wieder aufatmen. Mit dem Wissen: Es wird jetzt so bleiben. Gott sei Dank. Ich habe wirklich genug hinter mir. Jetzt werde ich es mir gut gehen lassen. Und endlich wieder zur Ruhe kommen. Wenn man jahrelang nur so durchpowert, alles gibt, das System auf 180 ist, und alles in einem permanent schmerzt und dröhnt, da findet man keinen Frieden. Da war kein Frieden. Da war nur Hölle. Eine Hölle die ich jetzt endlich hinter mir lasse. Und mich jetzt auch endlich richtig entspannen kann. Denn ich weiß: Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, und jetzt kann ich mich zurücklehnen. Zuschauen, wie alles passiert. Wie sich Dinge fügen. Ich muss nun nichts mehr tun. Nicht mehr kämpfen. Nur noch hier sein. In Freude. Und Spaß haben an meinem Leben. Vielleicht zum ersten Mal so richtig. Also rauf auf die Couch, Fernbedienung her, und Film ab! Ich präsentiere: Das neue Zeitalter.

Viel Spaß beim Zuschauen!!

Alles Liebe,

Ostara

 

Bild im Header:“Meditation“ by Moyan Brenn is licensed under CC BY 2.0

 

Kategorien: Meine Geschichte

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