Ich habe schon vor 8 Jahren angefangen meine Eltern zu erziehen

Oder: Warum es sich auszahlt zu sich zu stehen

Ist doch auch richtig so, oder?

Die Kinder wissen es immer besser als die Eltern. Nur die wollen sich das irgendwie nie eingestehen..

Damals habe ich meine Eltern vor eine harte Entscheidung gestellt. Entweder ihr steht zu mir, so wie ich bin, oder ihr könnt mich vergessen.

Ich hatte von ihnen Hilfe erbeten. Als sie sich weigerten, stand ich auf. Sagte: Ich wünsche euch noch einen schönen Tag. Und ging zur Tür hinaus. Auf dem Nachhauseweg weinte ich bitterlich. Das fühlte sich alles so schrecklich an. Meine Eltern, die für mich da sein sollten in Zeiten der größten Not, weigerten sich, mir beizustehen. Es brach mir das Herz. Nie hatte ich sie mehr gebraucht als in diesem Moment. Nie hatte ich sie um Hilfe gebeten, sie angefleht. Bitte.. bitte glaubt an mich. Steht mir bei. Ich brauche euch.

Einfach nur eiseskalte Kühle. Nein. Du bist alt genug. Komm selber klar.

Zu Hause angekommen rannte ich direkt ins Bett und weinte. Ein Anruf kam rein, ich ignorierte ihn. Was wollten die jetzt noch? Die spinnen doch, jetzt noch irgendwie Kontakt mit mir aufnehmen zu wollen. Was soll der Scheiß?!

Eine Nachricht kam rein. Sie wollten den Fernseher abholen.

Ich stelle ihn vor die Tür.. dachte ich mir.

Und antwortete ich auch.

Dann waren sie aber auch schon da. Okay.. ich lasse sie rein, damit sie sich den Fernseher holen können. Gesagt, getan.

Da standen sie im Eingang und schauten mich an. Ich, zutiefst gekränkt, sah sie nicht an. Nehmt euch den Fernseher und geht. Lasst mich in Ruhe.

Irgendwie konnten sie meinen enttäuschten Anblick nicht ertragen. Meine Mutter kam, umarmte mich. Wir wollen doch nur, dass es dir gut geht. Und das sehen wir momentan nicht.

Vertraut mir. Ich weiß was ich tue.

Das ist so leicht gesagt. Wie soll man jemandem vertrauen, dass er das richtige tut, wenn man demjenigen doch ansieht, dass es ihm nicht gut geht? Dass er leidet.. Sich zurückzieht. Völlig abkapselt von der Welt. Keine Sozialkontakte. Keine Freunde (bis auf einen). Keine Ziele, kein Berufswunsch dem nachgegangen wird. Wenn jemand nur drinnen ist, nicht raus geht an die frische Luft.. Nicht gesund aussieht. Und zur Krönung des Ganzen.. keine Hilfe annehmen möchte.

Ich habe dennoch diesen Beistand von ihnen gefordert. Denn ich konnte nicht anders. Ich musste alles aufgeben. Mein altes Leben völlig hinter mir lassen. All die Wünsche dir ich hatte. Psychologie studieren. Spaß haben, Freude, lustige Bekanntschaften. Raus gehen, mich bewegen, meinen Körper in Schuss halten. Sport machen.

All das war verpufft.. und wofür?

Mein neues Leben beinhaltete Fühlen, Fühlen, Fühlen. So viele Schmerzen, Blockaden, so viel Leid. Ich ging von einer Hölle in die nächste in die nächste in die nächste. Ohne eine Aussicht auf ein Ende.

Wie konnte ich da selber zu mir stehen? Wie konnte ich mich erklären? Ich wusste nicht, was ich da tat. Ich wusste nicht, wofür das gut war. Das einzige was ich wusste war: Ich will das.

Koste es was es wolle. Da ist so eine Stärke in mir, so eine Entschlossenheit. Als könnte mich nichts zu Boden ringen. Oder doch.. es ringt mich zu Boden und ich stehe wieder auf. Immer immer wieder. Stehe ich wieder auf. Auch wenn mir alles genommen wird. Wenn mir das Leben all das entreißt das ich liebe. Und mir nur noch Schmerz da lässt. Ich kämpfe mich da durch. Und ich habe mich durchgekämpft. Bis zu diesem heutigen Tag.

Aber darum soll es ja eigentlich gar nicht gehen.

Die Eltern erziehen. Fordern, dass sie zu einem halten. Vielleicht geht das noch, wenn man selber weiß, was man tut, und wozu man es tut. Aber wenn man gar nicht weiß, was mit einem eigentlich los ist. Es nicht erklären kann. Sich nur rein auf sein Gefühl verlässt das sagt: Es ist richtig so.

Wie soll ich ein Gefühl erklären? Das geht nicht. Man kann nur an das Gefühl des anderen appellieren. Bitte.. Bitte.. Bitte.. hört auf euer Herz. Bitte glaubt an die Liebe. Seht das Gute in dem Unschönen. Seht meine Stärke, auch wenn ich schwach wirke. Steht mir bei, wenn ich mich selber nicht halten kann. Helft mir auf meinem Weg. Auch wenn ihr ihn nicht versteht. Aber helft mir.. weil ihr mich liebt. Weil ihr für mich wollt, was ich für mich will. Weil ich.. das Leben es immer am besten weiß, was gut ist für mich. Weil ich vertraue. Also vertraut mir auch. Bitte.. habt Vertrauen ins Leben, dass alles was passiert, genau richtig so ist, wie es ist. Egal welchen Anschein es hat. Schaut tiefer. Schaut genau hin. Und seht, dass da ein kleines Licht ist. Ein Hoffnungsschimmer. Und seht zu, wie er wächst. Mit eurem Vertrauen. In Mich. In mein Leben.

Ich liebe euch und danke euch, dass ihr letztendlich doch zu mir gehalten habt! Dass ihr auf euner Herz gehört habt. Dass ihr mir immer wieder zugehört habt. Meinen Erklärungen, Schilderungen.

Und euch davor nicht verschlossen habt.

Auch, wenn da große Krisen zwischen uns noch folgen sollten in den darauffolgenden Jahren. Ihr wolltet mich auf die Straße setzen. Ihr wolltet mich arbeiten schicken, wo ich doch zu schwach war und noch immer nur mit Schmerz fühlen beschäftigt war. Ihr wolltet all die guten Dinge für mich. Das, was ihr für gut haltet. Dass ich zum Arzt gehe. Raus gehe in die Natur. Und habt letztendlich nicht so wirklich bekommen, was ihr gefordert habt. Nur ein bisschen. Aber für euch nicht genug. Das habt ihr dann eingesehen. Sie geht ihren eigenen Weg. Wir verstehen diesen Weg nicht. Aber sie lässt sich nicht rein reden. Irgendwann kapituliert der Verstand. Wenn das, was er glaubt, gut zu sein, nicht eintritt. Das Leben hat ihre Meinung nicht geteilt. Es forderte mich zwar noch weiterhin, aber es gab mir die nötige Zeit die ich brauchte. Für mich, für meine Heilung. Einfach war es trotzdem nicht. Erst mit der Zeit wurde es leichter. Und jetzt bin ich an dem Punkt wo ich verstehe. Alles verstehe, alles macht plötzlich Sinn. Und ich fange an, mein Leben zu lieben. Zu lieben, was ich getan habe. Ich bin stolz, dass ich durchgehalten habe. Und liebe mich über alles dafür. Vielleicht kann ich jetzt endlich sagen: Ich liebe das Leben.

Zumindest weiß ich, dass es sich lohnt, für das zu kämpfen, an das man glaubt. Jede Hürde nehmen. Jedes Opfer auf sich nehmen. Jede Kränkung einstecken. Mit einer Träne.. oder wohl mehr einem Wasserfall aus Tränen. All dieses Leid durch sich fließen lassen. Und es in Liebe verwandeln. In die Liebe die man ist, die du bist.

Ich liebe diese Welt. Und ich würde alles für sie geben. Damit es ihr wieder besser geht.

In dem Sinn..

allen alles Liebe.

Ostara

Kategorien: Meine Geschichte

1 Kommentar

Ronny · Sonntag, der 22. April 2018 um 17:21

Ein Kommentar zu deiner columne „Eltern erziehen.“ Ich fasse es in einem kleinen Reim zusammen:
Ich wünsche mir jemanden, der mir hilft mich zu schützen.    Gemeinsam ganz viel Stuetzen.  Gar  Verletzlich ich bin.   Del fin.🐣🎀

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