Einhorngeschichten Teil 3 – Goldmarie

Einhorngeschichte aus der Wahrnehmung geschrieben fĂŒr Annett

Das war so mit die erste „Einhorngeschichte“, die ich geschrieben habe. Man sieht ganz gut, dass jede Geschichte sehr individuell ist, und manchmal mehr Bezug zur realen Welt hat, manchmal weniger. Wie es eben im Moment so kommt 🙂

Nordhessen: Hoher Meißner: Frau Holle am gleichnamigen Teich“ von Dirk Schmidt ist lizensiert unter CC BY-SA 3.0

 

Annett ist ein Einhorn. Kein gewöhnliches, denn so wie alle Einhörner ist sie einzigartig in ihrer Art. So wie alle Einhörner ist sie von Natur aus rein, sie hat ein edles, sanftmĂŒtiges Wesen. Und daher ist es nicht verwunderlich dass sie, doch von so großer Schönheit Innen, im Außen ebenso schön anzusehen ist. Hoch gewachsen ist sie, von anmutiger, atemberaubender Gestalt. Ihre volle MĂ€hne, so golden wie Bernstein, reicht fast bis auf den Boden. In Wellen gleitet es hinab. Weiches, sanftes Haar hat sie, so wie Samt. Jeder der es zu sehen bekommt wird ganz von alleine in Staunen versetzt, so sehr strahlt es. Es glitzert wie die Sonne die sich im Wasser spiegelt. Und wenn sie am Tage galoppiert, dann schimmert es in allen Brauntönen, von beige bis dunkelbraun. Dabei wippt es leicht im Wind.

In Annetts Ohren stecken große goldene Ohrringe. Rund sind sie, und schmal. Ihre Farbe ist die ihres Haares. Und auch sie schaukeln leicht mit ihrem Körper wenn sie durch die HĂŒgel reitet.

Doch etwas ist seltsam an ihr. So frei ihr Wesen auch ist, so trĂ€gt sie doch Zaumzeug um ihren Kopf herum. Wozu braucht sie es? Keiner hat es ihr umgehĂ€ngt, da ist keiner der Besitz von ihr ergreifen möchte. Und doch trĂ€gt sie es.. Hat sie es sich doch selbst angezogen, im Glauben ein Reiter kĂ€me vorbei der Anspruch auf sie nĂ€hme. Doch da ist niemand. Sie nimmt sich selbst ihre Freiheit, legt sich selbst die Ketten an, weil sie nicht daran glaubt dass sie schon frei ist. Dass sie alles tun kann was ihr Herz verlangt. Niemand wird sie daran hindern, niemand ihr Steine in den Weg legen. Der Weg liegt klar vor ihr, nur beschreiten muss sie ihn selbst. Muss sie doch ihre eigene Schönheit und StĂ€rke erkennen, spĂŒren dass ihr Herz, das ihr so schwer in der Brust liegt, von Gold ist. Nicht mehr klein machen kann sie sich, erkennt doch jeder an ihrer anmutigen Gestalt dass sie von immenser GrĂ¶ĂŸe ist. Zu verbergen versucht sie sich, sich zu verstecken, und doch, wird es ihr immer weniger möglich. Denn alle sehen ihr wahres Wesen, ihre Reinheit, ihren Glanz. Nur sie tut sich schwer damit..

Und so wie ihr Name „Gnade“ bedeutet, so wurde sie auch bei ihrem Eintreten in diese Welt in höchstem Maße vom Leben gesegnet. Sie ist wie Goldmarie aus dem MĂ€rchen Frau Holle, denn genauso wie sie wurde sie vom Leben mit Gold ĂŒberschĂŒttet, alles an ihr glĂ€nzt. So groß sind ihre Gaben und Talente, so immens der Schatz, den sie in sich birgt. Riesen groß und zugleich unerschöpflich.

Und obwohl ihr Reichtum unermesslich ist, so teilt sie ihn doch nicht. Wie viele Leute könnte sie damit beschenken, könnte ihnen helfen mehr in ihre eigene Kraft zu kommen.. So kann sie sich nun entscheiden ob sie in den Dienst des Lebens eintritt, beginnt die himmlichen Betten zu schĂŒtteln. Denn wenn sie dies tut, dann schneit es auf der Erde. Alle Menschen freuen sich darĂŒber, Groß wie Klein. Dann ist sie im Fluss, wird wieder vom Leben mit Gold ĂŒberschĂŒttet, tut weiter ihren Dienst. Ein stĂ€ndiges Geben und Nehmen, nie endend, die perfekte Harmonie. Keinen höheren Dienst gibt es, keine erfĂŒllendere TĂ€tigkeit als diese. Und in dem Maße wie Annett gibt, so wird sie auch immer wieder selbst beschenkt. Keine Trennung zwischen ihr und den anderen, alles ist Eins. Tut sie etwas fĂŒr sich, so tut sie gleichzeitig etwas fĂŒr den Rest der Welt und anders herum. Alles was sie nun zu tun braucht ist sie selbst zu sein, an sich zu glauben und ihren eigenen Wert zu schĂ€tzen. Es ist Zeit fĂŒr sie sich aufzumachen und ihren eigenen Weg zu gehen. Der Weg, der fĂŒr sie bestimmt ist, und fĂŒr den sie sich vor so langer Zeit entschieden hat.

25.03.2013

Kategorien: Geschichten

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